TL;DR: Eine Wärme­pumpe im Altbau kostet 2026 28.000 – 45.000 € brutto. Mit BEG-Förderung (bis 70 %) bleiben oft 9.000 – 18.000 € Eigen­anteil. Voll­dämmung ist nicht nötig — moderne Geräte schaffen 55–60 °C Vorlauf­temperatur.

Das größte Missverständnis vorweg.

„Im Altbau funktioniert Wärme­pumpe nicht" — diesen Satz höre ich jede Woche. Er ist falsch. Er war vor 15 Jahren richtig, als Wärme­pumpen maximal 45 °C Vorlauf konnten und nur in Neubauten mit Fußbodenheizung sinnvoll waren. Heute schaffen moderne Geräte (Vaillant aroTHERM plus, Buderus Logatherm WLW, Wolf CHA-Monoblock) problemlos 55–60 °C Vorlauf­temperatur. Das reicht für die allermeisten Häuser ab Baujahr 1980.

Was eine Wärmepumpe im Altbau wirklich kostet.

Brutto (vor Förderung) liegen wir je nach Haus bei diesen Preisen:

  • Klein­altbau, 100–130 m²: 28.000 – 32.000 €
  • Standard-EFH, 130–180 m²: 32.000 – 38.000 €
  • Großes Haus, 180–250 m²: 38.000 – 45.000 €
  • Zwei­familienhaus oder Heizraum-Umbau: 45.000 – 60.000 €

In diesen Preisen ist alles drin: Gerät, Speicher, Hydraulik, Montage, Elektroanschluss, Demontage der alten Heizung, Inbetrieb­nahme. Was nicht drin ist: Heiz­körper­austausch (oft auch gar nicht nötig), Pufferspeicher-Sonder­lösungen, größere Bau­arbeiten am Heizraum.

Die BEG-Förderung 2026 im Detail.

Die Bundes­förderung für effiziente Gebäude (BEG) macht Wärme­pumpen im Altbau erst richtig wirtschaftlich. So setzt sich der Zuschuss zusammen:

  • Grundförderung: 30 % — für jeden, der Öl, Gas oder Kohle ersetzt
  • Effizienzbonus: +5 % — bei Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel
  • Einkommensbonus: +30 % — für Haushalte unter 40.000 € zu versteuerndem Einkommen
  • Geschwindigkeitsbonus: +20 % — wenn die alte Heizung mind. 20 Jahre alt ist

Maximal sind das 70 % Zuschuss. Gedeckelt bei 21.000 € pro Wohn­einheit (Förder­basis: max. 30.000 €).

Rechen­beispiel: Standard-EFH in Wolfsburg

  • Haus: 145 m², Baujahr 1985, bestehende Öl­heizung von 1998
  • Brutto-Investition: 35.000 €
  • BEG-Grund: 30 % = 9.000 €
  • Effizienz­bonus: 5 % = 1.500 €
  • Geschwindigkeits­bonus (Öl > 20 J): 20 % = 6.000 €
  • Zuschuss gesamt: 16.500 € (55 %)
  • Eigen­anteil: 18.500 €

Mit Einkommens­bonus (zu versteuerndes Einkommen unter 40.000 €) wären sogar 21.000 € Zuschuss drin — Eigen­anteil 14.000 €.

Muss ich erst dämmen?

Nicht zwingend. Das ist die meist­geglaubte Falsch­annahme. Eine moderne Wärme­pumpe schafft 55–60 °C Vorlauf — und das brauchen die meisten Altbauten gar nicht durchgehend. An kalten Winter­tagen (–5 °C) brauchen Sie vielleicht 55 °C, an milden Tagen reichen 35–40 °C. Genau dafür ist die Wärme­pumpe gebaut.

Was Sie vor der Wärme­pumpe prüfen sollten:

  • Heiz­last­berechnung nach DIN EN 12831 — gibt Ihnen den exakten Wärmebedarf Ihres Hauses. Das ist Pflicht für BEG, kostet 350 – 600 € extern, ist bei mir Teil der Beratung.
  • Heiz­kurven­abgleich — welche Vorlauf­temperatur brauchen Sie tatsächlich? Wenn Sie Heizkörper haben, drosseln und schauen, ob's noch warm wird.
  • Fenster und Dach­dämmung — wenn beides aus den 70er-Jahren ist, lohnt sich vorher mind. eine Dach­dämmung. Spart 20–30 % Heizenergie.

Wann eine Hybrid-Lösung sinnvoller ist.

In einigen Fällen rate ich von der „Wärme­pumpe pur" ab und schlage stattdessen eine Hybrid-Heizung vor (Wärme­pumpe + bestehender Gas-/Öl-Kessel als Spitzenlast):

  • Sehr alte Häuser (vor 1970) mit ungedämmten Fassaden und einfach verglasten Fenstern.
  • Häuser, wo die Heiz­körper sehr klein dimensioniert sind und ein Heiz­körper-Tausch über 8.000 € extra kosten würde.
  • Sehr große Wohn­flächen über 250 m² mit hohem Spitzenbedarf an wenigen extrem kalten Tagen.

Hybrid-Lösungen werden weiterhin gefördert, aber nicht mit dem vollen Topf. Hier rechne ich Ihnen die beiden Optionen gegeneinander.

Laufende Kosten: was eine Wärmepumpe verbraucht.

Eine gute Wärme­pumpe im Altbau erreicht eine Jahres­arbeits­zahl (JAZ) von 3,0 – 3,8. Das heißt: 1 kWh Strom rein, 3 – 3,8 kWh Wärme raus.

Verbrauch im Beispiel-Haus

  • Heizwärme­bedarf: 18.000 kWh / Jahr
  • JAZ: 3,3
  • Strom­verbrauch WP: ~5.500 kWh / Jahr
  • Strom­preis WP-Tarif: 28 ct/kWh
  • Laufende Heiz­kosten: ca. 1.540 € / Jahr
  • Zum Vergleich Öl: ca. 2.300 € / Jahr bei aktuellem Ölpreis

Mit eigener PV-Anlage sinken die laufenden Kosten weiter — typisch um 30–50 %, je nach Anlagen­größe und Speicher. Im Artikel zur Reihen­folge PV / Wärme­pumpe rechne ich Ihnen das im Detail vor.

Heizungs­tausch-Pflicht: was 2026 auf Sie zukommt.

Das Gebäude­energie­gesetz (GEG) wurde 2024 verschärft. Neue Heizungen müssen ab 2026 in den meisten Fällen zu mindestens 65 % mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Heißt für die Praxis: Beim Heizungs­tausch ist Wärme­pumpe (oder Hybrid) faktisch die einzige sinnvolle Option.

Wer jetzt freiwillig wechselt, kriegt:

  • Volle BEG-Förderung — Sätze werden langfristig sinken.
  • Keinen Zeit­druck durch Defekt der alten Heizung.
  • Bessere Verfügbarkeit von Hand­werkern (im Defekt-Fall ist Wochen-Warten normal).

Mein Fazit.

Eine Wärme­pumpe im Altbau ist 2026 in den allermeisten Fällen wirtschaftlich — und nach BEG-Förderung oft sogar günstiger als ein neuer Öl- oder Gas­kessel ohne Förderung. Voraussetzung: ehrliche Heiz­last­berechnung statt Bauch­gefühl, das richtige Gerät, ordent­liche Hydraulik.

Was bei Ihrem Haus rauskommt, kann ich nicht ohne Daten sagen. Aber 15 Minuten am Telefon mit Bau­jahr, Wohn­fläche und aktuellem Brenn­stoff­verbrauch reichen für eine erste Spannweite.

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