TL;DR: Wenn Ihre alte Heizung noch läuft und über 5 Jahre Restlauf­zeit hat → erst PV. Wenn die Heizung über 18 Jahre alt oder ein Defekt absehbar ist → erst Wärme­pumpe. Wer beides zusammen plant, kriegt die kombinierte Förderung — das ist meistens der beste Deal.

Die drei realistischen Szenarien.

1. „Erst PV, später Wärme­pumpe."

Sinnvoll, wenn: Ihre Öl-/Gas-Heizung ist neu (unter 10 Jahre), noch effizient, kein Defekt absehbar. Sie wollen aber jetzt anfangen, die Stromrechnung zu senken.

Vorteil: Sie sammeln 3–5 Jahre Eigenstrom-Erfahrung und Rücklagen, bevor die Heizung dran ist. Die PV-Anlage ist dann schon abbezahlt oder finanziert, wenn die WP kommt.

Nachteil: Die PV-Anlage wird ohne Wärme­pumpe geplant — eventuell etwas kleiner ausgelegt (z.B. 8 statt 12 kWp). Beim späteren WP-Einbau müssen Sie dann nach­rüsten oder mit kleinerem Eigen­strom­anteil leben.

2. „Erst Wärme­pumpe, später PV."

Sinnvoll, wenn: Ihre Heizung ist alt (über 18 Jahre), ein Defekt steht im Raum oder Sie wollen die Geschwindigkeits-Bonus-Förderung mitnehmen (+20 % BEG).

Vorteil: Sie sichern sich die volle Heizungs­tausch-Förderung jetzt, bevor sie sinkt. Außerdem wissen Sie nach einem Heiz­jahr mit der Wärme­pumpe genau, wie viel Strom Sie wirklich brauchen — und können die PV exakt darauf auslegen.

Nachteil: Im ersten Jahr ohne PV läuft die Wärme­pumpe mit Netzstrom (28–32 ct/kWh im WP-Tarif). Das ist günstiger als Öl, aber teurer als später mit eigenem Strom.

3. „Beides gleichzeitig."

Sinnvoll, wenn: Heizungs­tausch sowieso ansteht und Sie planerischen Aufwand bündeln wollen. Oder: Sie haben gerade eine größere Summe verfügbar und wollen das Thema in einem Aufwasch durchziehen.

Vorteil: Die Auslegung wird perfekt aufeinander abgestimmt — PV-Größe passt zur WP-Last, Speicher wird richtig dimensioniert, ein Hand­werker-Termin statt zwei. Beide Förderungen laufen parallel.

Nachteil: Höhere Anfangs­investition (50.000 – 70.000 € brutto vor Förderung). Allerdings ist die Hälfte oft Förder­zuschuss.

Rechen­beispiel: 145-m²-EFH in Gifhorn, alte Öl­heizung

Option A: Erst PV (2026), WP in 4 Jahren

  • PV 2026: 8 kWp + 5 kWh Speicher = 18.000 € (0 % MwSt)
  • 4 × Strom­ersparnis: 4 × 850 € = 3.400 €
  • 4 × Öl-Kosten: 4 × 2.300 € = 9.200 €
  • WP 2030: 35.000 € brutto, BEG ohne Geschwindigkeitsbonus (Öl jetzt 24 J alt — Bonus weg, hängt von Politik ab): ~50 % = 17.500 € Zuschuss
  • Gesamt­ausgabe nach 4 Jahren: 18.000 + 17.500 = 35.500 €

Option B: Erst Wärme­pumpe (2026), PV 2030

  • WP 2026: 35.000 € brutto, BEG mit vollem Geschwindigkeits­bonus (Öl > 20 J): 55 % = 19.250 € Zuschuss → Eigen­anteil 15.750 €
  • 4 × Heiz­kosten Wärme­pumpe statt Öl: jährlich ~760 € weniger = 3.040 €
  • PV 2030: 8 kWp + 7 kWh Speicher = 19.000 € (Preise stabil bis leicht sinkend)
  • Gesamt­ausgabe nach 4 Jahren: 15.750 + 19.000 = 34.750 €

Option C: Beides 2026 gleichzeitig

  • PV 11 kWp + 10 kWh Speicher + WP: gesamt 55.000 € brutto
  • BEG-Zuschuss WP-Teil: 19.250 €
  • 0 % MwSt auf PV-Teil (im Preis schon)
  • Eigen­anteil: ~35.750 €
  • Strom + Heiz­ersparnis ab Jahr 1: ~2.400 € / Jahr

Sie sehen: Die reinen Geld­zahlen sind ähnlich. Aber bei Option B oder C starten Sie sofort mit niedrigen Heiz­kosten — und sichern sich die hohe BEG-Förderung, bevor sie sinkt.

Was ich konkret empfehle.

Nach 100+ Beratungen in der Region sehe ich folgendes Muster:

  • Heizung jünger als 10 Jahre, läuft gut: Erst PV. In 5–8 Jahren WP nachziehen.
  • Heizung 10–18 Jahre alt: Beides zusammen durchplanen. Die Förder­töpfe sind 2026 noch maximal gefüllt.
  • Heizung älter als 18 Jahre oder Defekt absehbar: Wärme­pumpe sofort (Geschwindigkeits­bonus mitnehmen). PV im Jahr danach mit perfekter Auslegung auf den realen Verbrauch.

Förderung 2026 für die Kombi.

Eine Sache, die viele übersehen: Wer PV und Wärme­pumpe in derselben Maßnahme einbaut, profitiert von beiden Töpfen parallel:

  • PV-Teil: 0 % MwSt, KfW 270 falls Kredit­bedarf
  • WP-Teil: bis 70 % BEG-Zuschuss
  • Optional: KfW 358 / 359 Ergänzungs­kredit mit Tilgungs­zuschuss

Die genauen Sätze finden Sie in unserer Förderungs­übersicht 2026.

Mein Fazit.

Es gibt keine universell richtige Reihen­folge — sie hängt vom Alter Ihrer Heizung, Ihrem Budget und Ihrer Risiko­bereitschaft ab. In 9 von 10 Fällen mit alter Heizung empfehle ich, die Wärme­pumpe vorzuziehen oder beides zusammen zu machen. Der Geschwindigkeits­bonus wird in den nächsten Jahren sinken, das ist absehbar.

Wer noch eine junge Heizung hat, soll mit PV anfangen — und sich den WP-Wechsel für die Zukunft warm­halten. Beide Wege funktionieren. Falsch ist nur: gar nichts tun.

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